Frau Hegic wurde im Jahr 1931 in Rakovcani, unweit von Prijedor in Bosnien geboren. Ihr Vater, ein Bauer, kam bei Kämpfen während des Zweiten Weltkrieges um. Ihre Mutter war mittellos und brachte ihre fünf Kinder mit mühevoller Arbeit in der Landwirtschaft durch. Sefija Hegic heiratete mit 19 Jahren und brachte sieben Kinder zur Welt. Im Jahr 1988 verlor sie ihren Mann, der als Arbeiter in einem Bergwerk beschäftigt gewesen war.
Bei den Massakern an der muslimischen Bevölkerung zu Beginn des Bosnienkrieges verlor sie drei ihrer Söhne und einen Schwiegersohn. Sie wurde vertrieben und gelangte über mehrere Zwischenstationen, die u.a. über Resnik und Zagreb in Kroatien führten, mit zwei Schwiegertöchtern und Enkelkindern nach Schweden. Angst, Not, Verwirrung und Trauma durchziehen ihre Vertreibungsgeschichte. Das Leben in Schweden, einem klimatisch und kulturell fremden Land, war für die gläubige Muslima schwierig.
Zusammen mit ihrer jüngsten Tochter Jasminka und den zwei Enkelkindern, die als Flüchtlinge in Deutschland lebten, kehrte sie 1997 zunächst nach Sanki Most zurück, das in der Konföderation Bosnien-Herzegowina liegt. Sie kämpfte um die Rückgabe ihres Eigentums und den Wiederaufbau ihres Hauses. Im Jahr 2002 bezog sie ihr Haus, das umgeben ist von den Ruinen der Häuser, in denen einst ihre Söhne mit ihren Familien wohnten. Bis auf die jüngste Tochter leben ihre Töchter und Schwiegertöchter heute in Österreich, in den Niederlanden und in Schweden. Sefija Hegic ist an den Ort des Grauens zurückgekehrt, wo ihre Kinder umgekommen sind. Hier betreibt sie Landwirtschaft, lebt im Gedenken an die Kinder und auf der Suche nach Seelenfrieden.